Schützenverein Niederkaufungen 1968 e.V.
Chronik des Vereins
Nach der Gründung des Hessischen Schützenverbandes im Jahre 1951 regten sich auch in Kassel und Umgebung die alten Schützenvereine, um ihre Vereinstätigkeit wieder aufzunehmen. Es galt die alten Sportstätten wieder herzurichten, da in der Nachkriegszeit an Neubauten nicht zu denken war, insbesondere aber wieder Menschen in einer schweren Zeit mit neuen Vorstellungen zusammenzuführen.
Nicht in allen Gemeinden des Landkreises Kassel wurden die Schützenvereine neu mit Leben erfüllt und an alte sportliche und gesellschaftliche Traditionen angeknüpft und versäumt, den im Jahre 1911 erstmals gegründeten und bis zum Krieg bestehenden Schützenverein neu ins Leben zur rufen.
Es sollte noch rund 15 Jahre dauern, bis sich Freunde des Schießsports in unserem Dorf in der Kyffhäuserkameradschaft zu einer Schießgruppe zusammenfanden und sich in der "Schützenhalle" der Gaststätte Allmeroth zum Luftgewehrschießen trafen.
Die Zahl der Interessierten wuchs recht schnell und auch die Ergebnisse im Übungsschießen konnten sich mehr und mehr sehen lassen.
Durch diesen Erfolg wurde der Wunsch geweckt, sich einmal mit anderen Schützen im sportlichen Wettkampf zu messen. Da die Anzahl der Schießgruppen bei anderen Kyff.-Kameradschaften sehr klein war, konnte lediglich ein einziger Vergleichswettkampf mit mehreren Teilnehmern ausgetragen werden. Dies war für uns inzwischen begeisterte Schützen unbefriedigend und wir dachten über mögliche Lösungen nach.
Durch den Kontakt unseres Schützenbruders Gerhard Strube mit dem damaligen Kreisschützenmeister Haas vom Schützenkreis 1 Ost wurde die Idee geboren, dem Deutschen Schützenbund beizutreten. Dadurch eröffnete sich die Möglichkeit Rundenwettkämpfe mit vielen Mannschaften austragen zu können und sportlich weiter zu kommen.
Diese Idee wurde von allen Mitgliedern der Schießsparte mit Begeisterung aufgenommen und die Gründungsversammlung vorbereitet. Am 20. März 1968 war es endlich soweit. Folgende Schützenbrüder unterschrieben stolz die nachfolgende Anwesenheitsliste:
Die Anwesenden wählten den folgenden 1. Vereinsvorstand:
1. Vorsitzender: Willi Schönewolf
2. Vorsitzender: Hans Becker
Schriftführer: Herbert Wollenhaupt
1. Kassierer: Karl Mehlhase
Jugendwart: Udo GötteIn den erweiterten Vorstand wurden gewählt:
1. Schießmeister: Gerhard Strube
2. Schießmeister: Karl-Heinz Wittig
2. Kassierer: Günter Stange
2. Jugendwart: Gerhard Heep
Gerätewart: Georg MüllerDas Vereinsleben nahm einen ungewöhnlich positiven Verlauf. Neben dem nicht zu erwartenden sportlichen Erfolg festigte der junge Verein seine innere Struktur. Es machte Spaß, bei den Schützen zu sein.
Nachdem der Verein in das Vereinsregister eingetragen und die schwierigen Anfangsjahre überstanden waren, starb unerwartet am 02.01.1976 der Gründungsvorsitzende und Motor des Vereins, Willi Schönewolf. Durch den schmerzlichen Verlust schlossen sich die Reihen jedoch noch enger und der Verein wuchs bis auf 120 Mitglieder an.
Als überraschend die Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten in der Gaststätte Allmeroth gekündigt wurden, stand für die noch jungen Vereinsmitglieder fest: Es wird gebaut!
Durch eine vorausschauende Kassenpolitik, der Hilfe von Herrn Bürgermeister Iske und Herrn Staatsminister Dr. Günther sowie der nicht zu brechenden Überzeugung aller Vereinsmitglieder konnte ein Schützenhaus errichtet werden, welches zu den schönsten im Kreis zählt. An dieser Stelle sei dem Schützenverein Nieste und der Familie Kohlhase für die freundliche Aufnahme während der Bauzeit gedankt. Nach der Einweihung des Schützenhauses konnte der Verein unter der Leitung von Herbert Dannhauer sowohl seinen sportlichen wie auch gesellschaftlich guten Ruf weiter ausbauen und zählt heute mit nahezu 140 Mitgliedern zu den stärksten des Schützenkreises.
Der Vorstand und Vereinsrat im Jahr des Jubiläums
Ehrenvorsitzender Herbert Dannhauer
1. Vorsitzender Wilfried Hilberg
2. Vorsitzender Wolfgang Schellhase
Kassierer Hans Becker, Georg AllmerothSchriftführer Werner Liphardt, Horst Bischhoff
Schießmeister Detlef Portele, Hartmut Zeuch, Gudrun Schellhase, Helmut Fröhlich, Dieter Winterstein
Jugendwarte H. Dieter Knaup, Thomas Käse, Michael Schellhase, Martin Haselbauer
Festausschuß Wolfgang Schmidt Gerätewart Dieter Wedel
Pressewart Ulla AllmerothDer Neubau des Schützenhauses
Der Wunsch nach einem eigenen Schützenhaus ist so alt wie der Verein selbst. Erste Gespräche fanden in den siebziger Jahren statt; es wurden damals sogar schon Pläne gezeichnet und Angebote von ortsansässigen Bauunternehmern eingeholt.
Diese Vorstellungen wurden jedoch bald ad acta gelegt, da zum einen unüberwindlich erscheinende Hindernisse, z.B. bei der Finanzierung auftauchten, zum anderen der vom Vereinswirt bereitgestellte Raum eigenhändig renoviert und den Erfordernissen des Vereins angepasst wurde. Schon diese Renovierungsarbeiten ließen das Potential erkennen, das in der Mitgliederschaft des Vereins steckte.
Bedauerlicherweise wurde kurze Zeit später jedoch dem Verein durch nicht mehr nachvollziehbare Ereignisse über Nacht die Trainingsmöglichkeit in diesen Räumlichkeiten genommen. Alle Stände mussten abgebaut werden; sie wurden bei einer befreundeten Maschinenfabrik gelagert. In der Folge herrschte eine große Resignation; man befürchtete, dass dies das Ende des Vereines sei. Doch statt dessen lebte auch die Idee der Errichtung eines eigenen Schützenhauses zur Lösung der Raumfrage wieder auf.
Es wurde ein Raumprogramm aufgestellt. Am 26.02.1976 wurden erste Entwürfe eines Gebäudes der Gemeinde übergeben. Neben dem eigenständigen Neubau gab es die Alternativen eines Mehrzweckgebäudes mit dem Sportverein am Rohrweg oder den Ausbau der Alten Waschkaue am Steinertsee.
Am 10.08.1976 fällte der Verein dann den offiziellen Beschluss, prinzipiell einen Neubau zu erstellen. Bis zum Baubeginn wurde ein Planungs- und Vorbereitungszeitraum von fünf Jahren kalkuliert. Um ein Grundkapital für den Bau zu schaffen, wurde festgelegt, dass jedes Vereinsmitglied auf vier Jahre DM 8,50/Monat zu zahlen hatte. Als Standort wurde ein Grundstück in unmittelbarer Nähe des Steinertsees vorgesehen.
Die fertigen Pläne legte der Verein am 19.12.1978 bei der Bauberatungsstelle des Hessischen Finanzministeriums in Wiesbaden vor. Sie sahen die Errichtung eines Gebäudes mit vierzehn Luftgewehrständen, einem Aufenthaltsraum, Sanitär- und Küchenräumen auf insgesamt 315 qm Nutzfläche mit ca. 1 300 Kubikmeter umbauten Raumes vor. Die ermittelte Baukostenkalkulation wurde allerdings vom dortigen Sachbearbeiter als zu optimistisch eingeschätzt.
Die finanziellen Unwägbarkeiten wurden infolgedessen von der Gemeinde Kaufungen, dem Landessportbund und den Mitgliedern abgesichert.
Im Herbst 1980 wurde mit den Bauvorbereitungen begonnen, indem man eine so genannte Baubude errichtete. Vielen Helfern kam diese schon wie das Schützenhaus selbst vor. Bedingt durch einen sehr kalten Winter konnte jedoch mit den Fundamentierungsarbeiten erst im Frühjahr 1981 begonnen werden. Der Grundstein wurde im Mai 1981 von Bürgermeister und Schützenbruder Gerhard Iske gelegt.
Dank einer großen Anzahl vereinsangehöriger Fachleute ging der Rohbau sehr zügig voran. Immer wieder einmal wurde die Arbeit durch eine wohlverdiente Flasche Bier beschwingt. Die Lästerei, der mit viel Humor begegnet wurde, waren Tür und Tor geöffnet. Großen Anteil am Gelingen hatten auch die Damen, denen die Verköstigung und die Behebung der einen oder anderen kleinen Verletzung oblag. Nur in einem einzigen Fall bedurfte eine Arbeitsverletzung einer ambulanten Krankenhausbehandlung.
Nach dem Richtfest wurde die offizielle Rohbauabnahme am 17. August 1981 gefeiert.
Nachdem der Winter mit der Durchführung kleinerer Arbeiten überbrückt worden war, ging man im Frühjahr 1982 an den Innenausbau des Gebäudes. Auch hierfür waren innerhalb des Vereins zahlreiche Fachleute vorhanden. So verstrich das Jahr 1982, wobei neben den Arbeitsleistungen nach wie vor der Schießbetrieb aufrecht erhalten wurde, Wettkämpfe geschossen und die entsprechenden Feste gefeiert wurden.
Am 04.06.1983 war der Ausbau dann soweit gediehen, dass das Schützenhaus eingeweiht werden konnte. Der Festakt fand bei strahlendem Sonnenschein unter freiem Himmel statt und war ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte.
D e r W e g z u r e i g e n e n V e r e i n s f a h n e
u n d F a h n e n w e i h e
Der Wunsch, als Verein auch eine eigene Vereinsfahne zu besitzen, wurde erstmals in der Gründungsversammlung am 20.03.1968 in der Gaststätte Allmeroth vom Gründungsvorsitzenden Willi Schönewolf geäußert. Die vorsichtig geschätzten Kosten ließen dem jungen Verein zunächst jedoch keinen Raum für ein solche Entscheidung. Die sich ständig verschlechternden Schießverhältnisse im Gasthaus Allmeroth setzten selbst Zeichen. Die Vereinsmitglieder beschlossen als wichtigsten Schritt, ein Schützenhaus zu errichten. Entgegen vielen Befürchtungen und Ängsten konnte das Schützenhaus jedoch dank des unermüdlichen Einsatzes aller Schützen, einer guten Finanzierung und einer tatkräftigen Unterstützung durch Herrn Bürgermeister Gerhard Iske reibungslos erstellt werden. Die Pflege und Unterhaltung der Anlage lief problemlos.
Der Verein entwickelte sich prächtig und fand Anerkennung im Dorf und Schützenkreis.
Mit Blick auf den 20. Geburtstag drang der Wunsch zu einer Vereinsfahne erneut empor. Nach längeren Diskussionen innerhalb und außerhalb von Vorstandssitzungen wurde der grundlegende Beschluss in der Jahreshauptversammlung am 20.02.1987 gefasst. Der Vorstand wurde damit beauftragt, Angebote bei verschiedenen Firmen einzuholen. K. H. Wittig sollte erste Kontakte zu bekannten Firmen knüpfen. Die bekannteste Herstellerfirma war "Fahnen-Fleck" aus Pinneberg. Anlässlich einer Vereinsratssitzung stellte die Firma verschiedene Vereinsfahnen vor. Der Vorstand wurde nunmehr beauftragt, mit diesem Hersteller in konkretere Verhandlungen zu treten. Die Kosten sollten jedoch 5.000,-- DM nicht übersteigen.
Am 02.06.1987 erreichte den Verein das erste Angebot. Am 22.06.1987 wurde mit Herrn Feuersenger von der Firma Fahnen-Fleck sowie den Schützenschwestern Sieglinde Wittig, Uschi Brethauer und den Schützenbrüdern K. H. Wittig, Günther Brethauer und Werner Liphardt das Tuch ausgewählt und die Gestaltung des Vereinsabzeichens und des Kaufunger Wappens besprochen.
Auch die Finanzierung war endgültig gesichert, nachdem sich die Schützenbrüder Herbert Dannhauer, Dieter Landefeld, Gerhard Strube und Walter Wollenhaupt spontan zu einer Spende von je 500,-- DM bereiterklärt hatten.
Nun mussten Termine für die Fahnenweihe festgelegt, der Ablauf besprochen und alle erforderlichen Organisationsmaßnahmen getroffen werden. Es war auch zu klären, ob das Fest der Fahnenweihe mit dem 20jährigen Bestehen zusammenfallen, oder ob ein eigener Termin diesem Fest vorbehalten werden sollte. Nach längerer Diskussion bestand bei den Mitgliedern mehrheitlich und einvernehmlich der Wunsch, das 20jährige Bestehen nur im Kreise der Vereinsmitglieder zu feiern und zur Fahnenweihe die Vereine des Schützenkreises und dem Verein verbundene Gäste einzuladen. Als Termin wurde der 11. Juni 1988 endgültig bestimmt. Nun wurde es konkret. Die Gäste waren einzuladen, die Festfolge festzulegen, der Gottesdienst zu besprechen, die organisatorischen Voraussetzungen im Schützenhaus abzustimmen und die Ehrungen vorzubereiten.
Nach einer relativ kurzen Zeit stand fest:
- Eingeladen werden die befreundeten Schützenvereine im Schützenkreis Kassel I/Ost
- Herr Landtagsvizepräsident Dr. Herbert Günther mit Gattin
- Herr Bürgermeister Gerhard Iske mit Gattin
- Herr Gemeindevertretervorsitzende Heinrich Klinge mit Gattin
- Herr Kreisschützenmeister Dieter Thiele mit Gattin
- Stellvertretend für die Kaufunger Vereine und Verbände dessen Vorstand
- Die Ehegattin des verstorbenen Gründungsvorsitzenden, Gustchen SchönewolfTraditionsgemäß wurde der Verein mit der ältesten Fahne des Schützenkreises, der SV Bettenhausen mit seiner über 125jährigen Tradition gebeten, die Patenschaft zu übernehmen. Der Vorsitzende des Vereins, Jochen Barthel, sagte dies freudig zu.
Die enge Heimatverbundenheit des recht jungen Schützenvereins war ausschlaggebend dafür, den Verein mit der ältesten Fahne des Ortsteiles Niederkaufungen zu bitten, mit dem SV Bettenhausen I bei der Fahnenweihe gemeinsam Pate zu stehen. Es war der Gesangverein-Niederkaufungen, der ebenfalls gern bereit war, die Patenschaft zu übernehmen. Die Mitglieder beschlossen, dass der eigentlichen Fahnenweihe ein festlich gestalteter ökumenischer Gottesdienst vorangehen und das Schützenhaus für die Feier und die Gäste festlich hergerichtet werden sollte.
Bald verließen die Einladungen den Verein. Die Festfolge stand fest und die Tagesarbeit begann. Abstimmung mit den Geistlichen, Frau Pfarrerin Astrid Thies-Loub und Herrn Pastor Maicher, über die Gestaltung des Gottesdienstes wurden notwendig. Diese, im nachhinein herzerfrischende Aufgabe hatten Doris Bischoff und Werner Liphardt übernommen. Wie es bereits vorgesehen war, einigten sich die Gesprächsteilnehmer, die neue Vereinsfahne nicht in der Kirche zu weihen.
Es wurde in diesem Gespräch aber sehr deutlich, warum der Verein das Fest mit einem Gottesdienst beginnen wollte. Aus den gemeinsamen Glauben heraus wurde um Segnung der Gemeinschaft durch Gottes Wort gebeten. Die Fahne selbst sollte nur als äußeres Zeichen einer guten Gemeinschaft verstanden werden und nicht Gegenstand der Segnung sein. Nach dieser Klärung wurde in einer viel gelockerteren Form der Inhalt des Gottesdienstes besprochen und aus dem gemeinsamen Ansinnen nun auch der Predigttext gewählt. Es waren die Verse 1-4 des 2. Kapitels aus dem Brief Paulus an die Philipper, in denen Paulus ein uneigennütziges Leben in der Gemeinschaft - "auf das ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auf das was den anderen dient"- fordert. Dieser Predigttext umfasste im ganzen Umfang den eigentlichen Wunsch des Vereins und wurde dankend angenommen.
Nach einem festlichen "grünen Schützen-Gottesdienst" in der voll besetzten Kirche in Niederkaufungen verließen die Schützen unter den Posaunenklängen des Liedes "Nun danket alle Gott" den Kirchplatz in Richtung Schützenhaus um die junge Vereinsfahne der Gemeinschaft zu übergeben.
Im Beisein von Herrn Landtagsvizepräsidenten Dr. H. Günther, des Bürgermeisters Herrn Gerhard Iske, des Gemeindevertretervorsitzenden Herrn Heinrich Klinge und Herrn Otto Noll von den Kaufunger Vereinen und Verbänden sowie der gesamten Schützenschar, weihte der stellvertretende Kreisschützenmeister Helmut Sinning nach den Festansprachen und den musikalischen Darbietungen des Gesangvereins Niederkaufungen die Fahne, nachdem sie vom Vorsitzenden des Vereins, Werner Liphardt, vorgestellt worden war mit dem Fahnenspruch:
"Die Fahne echten Schützengeistes
wehe über unseren Reihen zum
Segen und Wohle aller, die
sich um sie scharen."Die Fahne wurde dem Schützenbruder Hans Becker mit der Aufforderung übergeben, sie stets in Ehren zu halten und sie zu freudigen und traurigen Ereignissen stolz voran zutragen.